Veröffentlicht am März 15, 2024

Ein Hochglanz-Instagram-Account sichert Ihnen kein Volontariat – strategisches Denken schon.

  • Professionelle Bewerbungen erfordern kuratierte, kontextualisierte Portfolios, die redaktionelle Bandbreite statt nur Ästhetik beweisen.
  • Moderne Fotovolontäre sind Multimedia-Manager, die Text, Video und Datenanalyse beherrschen, um den Wert ihrer Arbeit zu maximieren.

Empfehlung: Betrachten Sie sich nicht als Künstler, sondern als unternehmerischen Journalisten, der proaktiv Probleme der Redaktion löst und sich so unverzichtbar macht.

Sie haben ein Auge für das perfekte Bild, ein Gespür für den entscheidenden Moment und einen Instagram-Feed, der Ihre Kommilitonen vor Neid erblassen lässt. Jetzt soll der nächste Schritt folgen: eines der begehrten Volontariate bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) oder einem großen Verlagshaus. Doch die Realität ist ernüchternd. Auf jede ausgeschriebene Stelle kommen hunderte Bewerbungen, und die Postfächer der Personalabteilungen quellen über von Links zu ästhetisch perfekten, aber austauschbaren Online-Portfolios. Viele Ratgeber empfehlen Ihnen, einfach „kreativ“ zu sein und ein „gutes Portfolio“ zu haben. Das ist nicht falsch, aber es ist nur die halbe Wahrheit und der Grund, warum so viele scheitern.

Die Entscheider in den führenden Medienhäusern suchen heute nicht mehr nur nach dem nächsten Star-Fotografen. Sie suchen nach strategischen Partnern in der Ausbildung. Sie suchen nach Persönlichkeiten, die nicht nur ein Bild liefern, sondern ein Problem lösen. Es geht nicht mehr nur um Fotografie, sondern um redaktionelle Wertschöpfung. Die wahre Frage, die Ihre Bewerbung beantworten muss, lautet nicht: „Kann diese Person fotografieren?“, sondern: „Versteht diese Person, wie eine moderne Redaktion funktioniert, und hat sie das Potenzial, sich in 24 Monaten zu einem unverzichtbaren Teil dieses Systems zu entwickeln?“

Dieser Leitfaden bricht mit den oberflächlichen Ratschlägen. Als Ihr fiktiver Ausbildungsleiter zeige ich Ihnen, wie Sie denken müssen, um aus der Masse herauszustechen. Wir werden Ihr Portfolio sezieren, über Geld und Multimedia-Fähigkeiten sprechen und die entscheidende Frage klären, wie Sie sich in einer sich wandelnden Medienlandschaft unersetzlich machen – sei es in einer Festanstellung, als Pauschalist oder als erfolgreicher Freiberufler.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen, die über eine Zusage oder Absage entscheiden. Entdecken Sie die Denkweise, die Redaktionen wirklich suchen, und die konkreten Schritte, um Ihre Karriere auf das nächste Level zu heben.

Warum Ihr Instagram-Feed allein für eine Bewerbung beim Verlag nicht reicht

Hören wir auf, uns etwas vorzumachen: Ihr Instagram-Feed ist eine Marketingbroschüre, kein professionelles Portfolio. Er zeigt Ästhetik, aber selten redaktionelle Substanz. Eine Redaktion wie die dpa, die jährlich nur etwa 20 Volontäre aus tausenden Bewerbern auswählt, sucht nicht nach Influencern, sondern nach Journalisten. Der Unterschied? Ein Journalist versteht Kontext, Kuration und die technischen Grundlagen der Nachrichten-Distribution. Ein einzelnes, starkes Bild ist wertlos, wenn die IPTC-Metadaten fehlen, die Bildunterschrift unpräzise ist oder die rechtliche Situation ungeklärt ist. Ihre Aufgabe ist es zu beweisen, dass Sie den gesamten Workflow beherrschen, nicht nur den Auslöser.

Ihr Portfolio ist Ihr Business Case. Es muss auf den ersten Blick zeigen, dass Sie die Spielregeln verstanden haben. Gliedern Sie Ihre Arbeit klar und deutlich. Zeigen Sie eine ganze Reportage (10-15 Bilder), um Storytelling-Fähigkeiten zu beweisen. Fügen Sie eine Auswahl von Einzelbildern aus relevanten Ressorts wie Politik, Porträt und Sport hinzu, um Ihre Vielseitigkeit zu demonstrieren. Am wichtigsten ist, dass Sie zu jedem Bild eine kurze Entstehungsgeschichte und die technischen Details liefern. Das zeigt nicht nur Ihr Können, sondern auch Ihre Fähigkeit zur Reflexion und Planung. Denken Sie daran: Die dpa investiert in eine zweijährige Ausbildung mit dem Ziel einer Übernahme. Sie müssen beweisen, dass Sie dieses Investment wert sind.

Der Auswahlprozess ist hart und prüft mehr als nur Ihr fotografisches Auge. Wissenstests, praktische Übungen und Gruppendiskussionen sind Standard. Hier wird Ihre Allgemeinbildung, Ihre Fähigkeit zur Teamarbeit und Ihre Belastbarkeit getestet. Ein schönes Portfolio mag Ihnen die Tür zum ersten Gespräch öffnen, aber es ist das Verständnis für den journalistischen Gesamtprozess, das Ihnen den Platz sichert. Ihr Instagram-Feed ist die Visitenkarte, Ihr kuratiertes PDF-Portfolio und Ihre professionelle Website sind das Geschäftsmodell, das Sie präsentieren.

Wie viel verdient man als Volontär bei einer Tageszeitung nach Tarif?

Die Frage nach dem Gehalt ist legitim und wichtig für Ihre Lebensplanung. Die kurze Antwort: Es ist genug zum Leben, aber nicht, um reich zu werden. Ein Volontariat ist eine Investition in Ihre Zukunft, und die Vergütung spiegelt den Ausbildungscharakter wider. Die Gehälter variieren erheblich je nach Medientyp und Tarifbindung. Öffentlich-rechtliche Anstalten zahlen oft anders als private Verlage, und Agenturen wie die dpa haben ihre eigenen, meist attraktiven Modelle.

Entscheidend ist, dass Sie die Zahlen in den richtigen Kontext setzen. Ein höheres Gehalt in einer teuren Medienstadt wie Hamburg oder Berlin kann durch die Lebenshaltungskosten schnell relativiert werden. Ein scheinbar niedrigeres Gehalt in einer kleineren Stadt kann Ihnen netto mehr Spielraum lassen. Bei der dpa steigt die Vergütung deutlich im zweiten Jahr, was die wachsende Verantwortung und den zunehmenden Wert für die Agentur widerspiegelt. Die Ausbildung ist so konzipiert, dass Sie schnell zu einem produktiven Mitglied der Redaktion werden. Im zweiten Jahr der Ausbildung bekommen Volontäre bei der dpa beispielsweise rund 37.000 Euro jährlich.

Junger Volontär mit Laptop und Kamera in kleiner Stadtwohnung, Stadtansicht durch Fenster

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die typischen Gehaltsspannen, basierend auf einer Analyse der Einstiegsgehälter für journalistische Ausbildungen. Diese Zahlen sind Richtwerte und können je nach Verlag und Bundesland variieren.

Vergütung für Volontäre nach Medientyp
Medientyp 1. Jahr 2. Jahr
Tageszeitung (Tarif) 2.059 €/Monat 2.372 €/Monat
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk 1.407-1.600 €/Monat 1.662-2.200 €/Monat
dpa ca. 2.500 €/Monat ca. 3.083 €/Monat

Betrachten Sie das Gehalt nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtpakets. Die Ausbildung, die Kontakte und die Übernahmechancen sind die eigentliche Währung. Ein gut strukturiertes Volontariat bei einem renommierten Haus ist eine unbezahlbare Grundlage für Ihre gesamte Karriere.

Müssen Sie als Fotovolontär heute auch Texte schreiben und Videos schneiden?

Ja, unbedingt. Und das ist Ihre größte Chance, sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Zeiten des reinen Fachspezialisten sind in den meisten Redaktionen vorbei. Heute wird in crossmedialen Teams gedacht und produziert. Ein Fotovolontär, der nur fotografieren kann, ist eine Belastung für das Team. Ein Fotovolontär, der eine kurze, SEO-optimierte Bildzeile schreiben, ein schnelles Handy-Video für Social Media schneiden und die O-Töne von einem Termin mitbringen kann, ist eine enorme Bereicherung. Sie werden nicht zum Vollzeit-Redakteur ausgebildet, aber Sie müssen die Grundlagen der anderen Gewerke verstehen, um als Fotograf relevanter zu sein.

Diese Vielseitigkeit wird von Beginn an erwartet und gefördert. Eine Volontärin bei der dpa beschreibt ihre Erfahrung so: „Das Besondere bei dpa ist, dass ich als Volontärin vom ersten Tag an Teil der Redaktion bin. Das heißt: Ich schaue nicht erst zu, sondern schreibe von Beginn an Meldungen, gehe auf Termine und führe Interviews.“ Diese Aussage macht deutlich: Das Volontariat ist keine passive Lernphase, sondern eine aktive Mitarbeit, bei der Sie Ihre Multimedia-Kompetenzen täglich unter Beweis stellen müssen. Es geht darum, eine Geschichte auf der Plattform zu erzählen, die für sie am besten geeignet ist.

Beherrschen Sie die Werkzeuge des „Mobile Journalism“. Lernen Sie den Umgang mit Smartphone-Apps wie CapCut oder VN, um schnell vertikale Videos für Instagram oder TikTok zu produzieren. Verstehen Sie die Grundlagen von Analytics: Welche Bilder und Videos funktionieren auf welchen Kanälen und warum? Ihre Fähigkeit, Content für verschiedene Plattformen strategisch aufzubereiten, macht Sie zu einem wertvollen Mitarbeiter, der über das reine Bild hinausdenkt und zur Performance der gesamten Redaktion beiträgt. Sie liefern nicht nur ein Foto, Sie liefern ein Content-Paket.

Das Risiko, im Volontariat nur Kaffee zu kochen, und wie Sie Projekte einfordern

Die Angst, im Volontariat unterfordert zu werden und in passiven Hilfstätigkeiten zu versinken, ist weit verbreitet. Ihre Aufgabe als Volontär ist es, aktiv dafür zu sorgen, dass dies nicht passiert. Warten Sie nicht darauf, dass man Ihnen spannende Aufgaben gibt – fordern Sie sie ein und, noch besser, entwickeln Sie sie selbst. Der Schlüssel dazu ist, die Grundlagen Ihres Handwerks so schnell und perfekt wie möglich zu beherrschen. Wenn Sie bei der Bildrecherche, der Verschlagwortung und der Rechteklärung schneller und zuverlässiger sind als alle anderen, schaffen Sie sich Freiräume für eigene Projekte. Sie beweisen Systemrelevanz und verdienen sich das Vertrauen Ihrer Vorgesetzten.

Bereiten Sie sich proaktiv auf jede Station Ihres Volontariats vor. Analysieren Sie die Berichterstattung des Ressorts, in das Sie rotieren, schon Wochen im Voraus. Gehen Sie in die erste Redaktionskonferenz nicht mit leeren Händen, sondern mit zwei bis drei konkreten, recherchierten Themenvorschlägen. Pitchen Sie nicht nur eine Idee („Ich würde gerne über X berichten“), sondern ein komplettes Umsetzungskonzept („Ich habe für Thema X bereits mit Ansprechpartner Y gesprochen, die Location Z geprüft und stelle mir eine Umsetzung als Foto-Reportage mit einem begleitenden Instagram-Reel vor.“). Das ist der Unterschied zwischen einem Praktikanten und einem angehenden Redakteur.

Fallbeispiel: Unternehmerischer Journalismus an der Burda Journalistenschule

Ein herausragendes Beispiel für proaktive Projektgestaltung bietet die Burda Journalistenschule. Anstatt auf Aufgaben zu warten, entwickeln die Volontäre dort in kleinen Teams ihr eigenes Medien-Startup – sei es als Podcast, Blog oder Social-Media-Kanal. Sie agieren gleichzeitig als Chefredakteur, Autor und Produktmanager. Wie eine Beschreibung des Konzepts zeigt, lernen sie dabei die Grundlagen des unternehmerischen Journalismus von der Pike auf. Dieser Ansatz verhindert effektiv, in eine passive Rolle zu verfallen, und zwingt die Volontäre, Verantwortung für den Erfolg ihres eigenen Produkts zu übernehmen.

Seien Sie der „stille Helfer“. Wenn ein aktuelles Ereignis die Nachrichten dominiert, stellen Sie proaktiv Bildarchive zu verwandten Themen zusammen und bieten Sie diese dem Chef vom Dienst an. Bauen Sie Ihr eigenes Netzwerk auf, indem Sie Kontakte zu lokalen Politikern, Vereinen und Unternehmen knüpfen. Ein guter Journalist wartet nicht auf Nachrichten – er findet sie.

Wie machen Sie sich in 2 Jahren unverzichtbar für die Redaktion?

Ein Volontariat ist ein 24-monatiges Bewerbungsgespräch für eine anschließende Anstellung. Ihr Ziel muss es sein, am Ende dieser Zeit nicht nur „gut“ zu sein, sondern für die Redaktion unersetzlich zu werden. Das bedeutet, dass Sie eine Nische besetzen, die für die Zukunft des Verlags von strategischer Bedeutung ist. Die Chancen dafür stehen gut; eine Analyse zeigt, dass in den vergangenen Jahren die Übernahmequote bei dpa bei rund 90 Prozent lag. Diese hohe Quote ist kein Geschenk, sondern das Ergebnis einer strategischen Entwicklung während des Volontariats.

Unverzichtbarkeit entsteht nicht durch Talent allein, sondern durch das Lösen von Problemen, bevor andere sie überhaupt erkennen. Werden Sie zum Experten für ein Zukunftsthema. Das kann Drohnenfotografie sein – aber nicht nur das Fliegen der Drohne, sondern die umfassende Kenntnis der komplexen deutschen Drohnenverordnung. Oder spezialisieren Sie sich auf Datenvisualisierung und lernen Sie, mit KI-Tools wie Midjourney konzeptionelle Illustrationen für komplexe Sachthemen zu erstellen. Ein weiterer Bereich ist das meisterhafte Beherrschen des Digital Asset Managements (DAM). Wenn Sie proaktiv Bilderserien für kommende Jahrestage vorbereiten und verschlagworten, sparen Sie der gesamten Redaktion wertvolle Zeit und Ressourcen.

Bauen Sie eine Brücke zwischen Inhalt und Technologie. Werden Sie zum Experten für das Content-Management-System (CMS), verstehen Sie die Grundlagen von Bild-SEO und analysieren Sie, welche visuellen Inhalte im Web erfolgreich sind. Entwickeln Sie parallel dazu ein eigenes, externes Netzwerk. Ihre persönlichen Kontakte in Politik, Wirtschaft oder Kultur sind ein Kapital, das keine Redaktion gerne ziehen lässt. Sie werden nicht für die Bilder bezahlt, die Sie heute machen, sondern für die Bilder, die nur Sie morgen machen können.

Ihr Aktionsplan zur Unverzichtbarkeit: 5 Schritte zur strategischen Spezialisierung

  1. Redaktionsbedarf analysieren: Führen Sie Gespräche mit Redakteuren aus verschiedenen Ressorts. Identifizieren Sie wiederkehrende Probleme, technologische Lücken oder inhaltliche „weiße Flecken“ in der Berichterstattung.
  2. Eigene Kompetenzen inventarisieren: Listen Sie Ihre aktuellen Hard- und Soft-Skills auf. Wo haben Sie bereits überdurchschnittliche Kenntnisse (z.B. Videoschnitt, Datenanalyse, eine bestimmte Fremdsprache)?
  3. Nische definieren und abgleichen: Vergleichen Sie den Redaktionsbedarf mit Ihren Kompetenzen. Wählen Sie eine Nische (z.B. Drohnen-Journalismus, KI-gestützte Illustration, Mobile Reporting für eine spezifische Zielgruppe), die beides verbindet.
  4. Einzigartigkeit prüfen: Recherchieren Sie, wer in der Redaktion diese Nische bereits besetzt. Formulieren Sie einen „Unique Selling Proposition“: Was können Sie in diesem Bereich besser, schneller oder anders als andere?
  5. Entwicklungsplan erstellen: Definieren Sie konkrete Lernziele, Projekte und Hospitanzen, um Ihre Expertise in dieser Nische innerhalb der nächsten 12 Monate aufzubauen und sichtbar zu machen.

Wie überleben Sie als freier Bildjournalist in Deutschland trotz sinkender Honorare?

Nicht jedes Volontariat führt in eine Festanstellung, und nicht jeder will diesen Weg gehen. Die Realität der Medienbranche ist von einer wachsenden Zahl freier Journalisten geprägt. Die sinkenden Honorare sind eine unbestreitbare Herausforderung, doch Deutschland bietet einen einzigartigen Standortvorteil, der das Überleben als Freiberufler erheblich erleichtert: die Künstlersozialkasse (KSK). Dieses System ist ein entscheidender Faktor, den Sie in Ihre Karriereplanung einbeziehen müssen.

Die KSK funktioniert im Prinzip wie ein fiktiver Arbeitgeber. Sie übernimmt für versicherte Freiberufler – dazu zählen Presse- und Werbefotografen – die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Die andere Hälfte tragen Sie selbst. Dies ist ein massiver finanzieller Vorteil gegenüber anderen Selbstständigen, die den vollen Satz zahlen müssen. Um in die KSK aufgenommen zu werden, müssen Sie ein jährliches Mindesteinkommen aus Ihrer künstlerisch-publizistischen Tätigkeit von derzeit 3.900 Euro nachweisen. Die Finanzierung dieses Systems ist clever gelöst: Neben einem Bundeszuschuss zahlen Unternehmen, die regelmäßig Aufträge an freie Künstler und Publizisten vergeben, eine Künstlersozialabgabe. Dies ist ein entscheidendes Detail, denn wie eine offizielle Erläuterung der KSK zeigt, sichert dies die Stabilität des Systems.

Professioneller Arbeitsplatz eines freiberuflichen Fotografen mit Kamera-Equipment und Arbeitsunterlagen

Das Überleben als Freiberufler hängt jedoch nicht nur von der sozialen Absicherung ab. Es erfordert unternehmerisches Denken. Spezialisieren Sie sich auf zahlungskräftige Nischen (z.B. Unternehmensfotografie, spezialisierte Reportagen), bauen Sie langfristige Kundenbeziehungen auf und diversifizieren Sie Ihre Einnahmequellen. Bieten Sie neben reiner Fotografie auch Workshops, Beratung oder Stock-Fotografie an. Der freie Markt ist hart, aber er belohnt diejenigen, die ihre Arbeit nicht nur als Kunst, sondern auch als Geschäft betrachten.

Das freiberufliche Dasein erfordert strategische Planung. Die Kenntnis der spezifischen deutschen Rahmenbedingungen wie der KSK ist für Ihren Erfolg von entscheidender Bedeutung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein strategisches Portfolio, das redaktionelle Bandbreite und Storytelling beweist, ist wichtiger als ein ästhetischer Instagram-Feed.
  • Moderne Fotovolontäre sind Multimedia-Talente, die Text, Video und Datenanalyse beherrschen, um ihre redaktionelle Wertschöpfung zu steigern.
  • Langfristiger Erfolg, ob fest oder frei, hängt von der Fähigkeit ab, sich durch strategische Spezialisierung und unternehmerisches Denken für die Redaktion unverzichtbar zu machen.

Gibt es noch festangestellte Fotografen oder nur noch Pauschalisten?

Die klassische, unbefristete Festanstellung für Fotografen ist zu einer Seltenheit geworden. Das Bild des festangestellten Pressefotografen, der jahrzehntelang für dieselbe Zeitung arbeitet, gehört größtenteils der Vergangenheit an. Die wirtschaftliche Realität der Medienhäuser, insbesondere im Printbereich, hat zu einer Flexibilisierung der Arbeitsmodelle geführt. Doch das bedeutet nicht, dass es keine sicheren Beschäftigungsverhältnisse mehr gibt. Die Landschaft hat sich lediglich diversifiziert.

Das vorherrschende Modell ist heute oft der sogenannte Pauschalist oder „feste Freie“. Hierbei handelt es sich um Freiberufler, die auf Basis eines Rahmenvertrags ein festes monatliches Honorar für ein definiertes Leistungspaket erhalten. Dieses Modell bietet den Verlagen Flexibilität und den Journalisten eine gewisse Planungssicherheit. Es ist oft KSK-fähig und stellt einen guten Kompromiss dar. Daneben gibt es reine Freiberufler, die auf Honorarbasis für verschiedene Auftraggeber arbeiten, und Agentur-Fotografen, die über Rahmenverträge eine hohe Auslastung erzielen können.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigen Anstellungsmodelle und ihre Charakteristika in der deutschen Medienlandschaft. Sie verdeutlicht, dass jedes Modell spezifische Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Anstellungsmodelle für Fotografen in Deutschland
Modell Häufigkeit Vorteile Nachteile
Festanstellung Sehr selten Sicherheit, alle Sozialleistungen Wenig kreative Freiheit
Pauschalist/Feste Freie Häufig Monatliches Fixum, KSK-fähig Befristet, keine volle Absicherung
Freiberufler Sehr häufig Maximale Freiheit, KSK möglich Unsicheres Einkommen
Agentur-Fotograf Mittel Rahmenvertrag, hohe Auslastung Formal freiberuflich

Die Wahl des Modells hängt stark von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Ihren beruflichen Zielen ab. Die Festanstellung bietet die größte Sicherheit, oft aber auf Kosten der kreativen und unternehmerischen Freiheit.

Die Kenntnis dieser verschiedenen Anstellungsformen ist die Grundlage für Ihre strategische Karriereentscheidung.

Gibt es noch festangestellte Fotografen oder nur noch Pauschalisten?

Die Diskussion um „fest oder frei“ verdeckt oft die eigentliche Wahrheit: Ihre Unverzichtbarkeit hängt nicht von Ihrem Vertragstyp ab, sondern vom Wert, den Sie für die Organisation schaffen. Die Vorstellung, dass eine Festanstellung ein Garant für sorgenfreies Arbeiten ist, ist ein Trugschluss. Der renommierte Fotograf Brent Stirton bringt es in einem Interview mit Canon Pro auf den Punkt:

Wer glaubt, dass die Festanstellung wunschlos glücklich macht, der irrt. Medienunternehmen arbeiten heutzutage mit sehr schmalen Gewinnmargen, besonders die Printmedien.

– Brent Stirton, Canon Pro Interview

Diese Aussage ist eine entscheidende Lektion. Ob Sie als Pauschalist, Freiberufler oder einer der wenigen Festangestellten arbeiten – der Druck, relevant und wirtschaftlich zu sein, ist allgegenwärtig. Ihre Strategie sollte es daher nicht sein, einem veralteten Ideal der Festanstellung nachzujagen, sondern in jedem Modell der beste strategische Partner für Ihre Redaktion oder Ihre Kunden zu sein. Ein exzellenter „fester Freier“, der proaktiv Themen entwickelt und crossmedial denkt, ist für eine Redaktion wertvoller und letztlich sicherer als ein mittelmäßiger Festangestellter, der nur seine zugewiesenen Aufgaben erledigt.

Die „Pauschalen-Realität“ ist kein Schreckgespenst, sondern eine Chance für diejenigen, die unternehmerisch denken. Sie zwingt Sie, Ihren Wert ständig unter Beweis zu stellen, innovativ zu bleiben und Ihr Netzwerk zu pflegen. Sie fördert genau die Qualitäten – Proaktivität, Spezialisierung, Vielseitigkeit –, die Sie ohnehin benötigen, um in diesem Beruf langfristig erfolgreich zu sein. Fokussieren Sie sich darauf, so gut zu werden, dass die Redaktion Sie sich nicht mehr leisten kann, zu verlieren – unabhängig davon, was auf Ihrem Vertrag steht.

Ihre Karriere beginnt nicht mit der Vertragsunterzeichnung, sondern mit dem ersten strategischen Schritt Ihrer Bewerbung. Beginnen Sie jetzt damit, Ihr Portfolio nicht als Sammlung, sondern als Business Case zu gestalten.

Geschrieben von Renate Vonstein, Renommierte Bildredakteurin und Dozentin für Fotojournalismus mit über 25 Jahren Erfahrung bei führenden deutschen Tageszeitungen. Expertin für Bildethik, politische Ikonografie und die historische Einordnung von Pressefotografie.