
Zusammenfassend:
- Die technische Perfektion einer 18/1-Plakatdatei entscheidet über die unbewusste Glaubwürdigkeit einer Werbekampagne.
- Subtile Fehler in Perspektive, Lichtführung oder Schärfe werden vom Betrachter als „falsch“ wahrgenommen und entwerten die Botschaft.
- Die Auflösung ist nicht absolut, sondern relativ zum Betrachtungsabstand – es geht um die *effektive* Schärfe, nicht um maximale DPI.
- Professionelle Techniken wie Focus Stacking und die gezielte Simulation von Filmkorn sind keine Spielereien, sondern essenzielle Werkzeuge zur Qualitätssicherung im Grossformat.
Die Vorbereitung einer Druckdatei für ein Grossflächenplakat, insbesondere das klassische 18/1-Format, ist eine Disziplin, die keine Nachlässigkeiten verzeiht. In einem Markt, in dem allein in Deutschland Bruttoumsätze von über 308 Millionen Euro in einem einzigen Monat erzielt werden, kann ein technischer Fehler in der Vorstufe die Wirkung einer millionenschweren Kampagne zunichtemachen. Viele Leitfäden beschränken sich auf die Grundlagen: CMYK-Farbmodus, Beschnittzugabe und eine pauschale DPI-Vorgabe. Doch die wahre Meisterschaft liegt im Detail, in der Antizipation von Problemen, die erst auf einer Fläche von neun Quadratmetern sichtbar werden.
Der Unterschied zwischen einer akzeptablen und einer herausragenden Plakatdatei liegt nicht in der Einhaltung der Mindestanforderungen, sondern im Verständnis für die Wahrnehmungspsychologie des Betrachters. Es geht darum, nicht nur ein Bild zu liefern, sondern eine Illusion, die auch aus zehn Metern Entfernung im Vorbeifahren standhält. Die eigentliche Herausforderung ist es, die subtilen Fehler zu eliminieren, die eine Komposition unglaubwürdig machen: ein falsch gesetzter Schatten, eine inkonsistente Perspektive oder sichtbares Banding in einem blauen Himmel. Diese Elemente werden vom Gehirn unbewusst als Störfaktoren registriert und untergraben die Glaubwürdigkeit der gesamten Werbebotschaft.
Dieser Leitfaden geht daher über die Binsenweisheiten hinaus. Er konzentriert sich auf die entscheidenden, oft übersehenen Aspekte, die in der High-End-Postproduktion den Unterschied ausmachen. Wir behandeln nicht das „Was“, sondern das „Warum“ und „Wie“ – von der korrekten Simulation von Licht und Schatten bis hin zur strategischen Nutzung von Filmkorn zur Kaschierung von Druckartefakten. Ziel ist es, Ihnen die Denkweise eines Perfektionisten zu vermitteln, denn im Grossformatdruck ist jedes Detail entscheidend.
Um diese komplexen Themen präzise zu navigieren, gliedert sich der Artikel in spezifische Problemstellungen und deren professionelle Lösungen. Die folgende Übersicht führt Sie durch die zentralen Aspekte einer perfekten Druckdatenerstellung.
Inhaltsverzeichnis: Professionelle Vorbereitung einer 18/1-Plakatdatei
- Warum wirkt das Auto im Hintergrund falsch, wenn die Fluchtpunkte nicht stimmen?
- Wie hilft künstliches Filmkorn, um Banding im Grossdruck zu kaschieren?
- Zauberstab oder Zeichenstift: Was verlangen Agenturen bei Haaren?
- Das Risiko, wenn der Schatten im Composing nach links fällt, die Sonne aber rechts steht
- Wie simulieren Sie Zeitungspapier in Photoshop?
- Wie viel Megapixel brauchen Sie wirklich für ein doppelseitiges Magazin-Cover?
- Warum verkauft sich ein Baryt-Abzug für 500 €, ein Poster aber nur für 20 €?
- Wie bekommen Sie ein Insekt von den Augen bis zum Hinterleib knackscharf?
Warum wirkt das Auto im Hintergrund falsch, wenn die Fluchtpunkte nicht stimmen?
Die korrekte Perspektive in einem Composing ist kein rein ästhetisches Detail, sondern ein fundamentaler Glaubwürdigkeitsanker. Das menschliche Gehirn ist über Jahrtausende darauf trainiert worden, perspektivische Verkürzungen und Fluchtpunkte intuitiv zu dekodieren, um Entfernungen und Grössenverhältnisse einzuschätzen. Weicht ein Bildelement von der etablierten Horizontlinie und den Fluchtpunkten des restlichen Bildes ab, entsteht eine kognitive Dissonanz. Das Objekt wirkt „hineinmontiert“, selbst wenn der Betrachter den Fehler nicht bewusst benennen kann. Im Grossformat, wo der Betrachter oft nur wenige Sekunden hat, um die Botschaft zu erfassen, führt dieser unbewusste Bruch zur sofortigen Abwertung der Bildaussage.
Ein klassisches Beispiel ist die Automobilwerbung. Premium-Hersteller wie Mercedes-Benz setzen ihre Fahrzeuge in Kampagnen gezielt in Szene, oft mit einer leichten Untersicht, um Dominanz und Kraft zu suggerieren. Wird ein solches Fahrzeug nun in eine Landschaft montiert, deren Horizontlinie nicht zur Perspektive des Autos passt, kollabiert die Illusion. Das Auto scheint zu schweben oder im Boden zu versinken. Dieser Fehler ist fatal, da er die Kernbotschaft – Präzision und Souveränität – direkt konterkariert. Die Wahrnehmung von Qualität ist untrennbar mit der technischen Perfektion der Darstellung verbunden.
Die Herausforderung im 18/1-Format liegt darin, dass die Perspektive für einen bewegten Betrachter aus unterschiedlichen Distanzen und Winkeln funktionieren muss. Ein Plakat an einer Hauptverkehrsstrasse wird anders wahrgenommen als eines in einer Fussgängerzone. Die Horizontlinie des Composings muss daher einen Kompromiss darstellen, der auf die durchschnittliche Augenhöhe des Zielpublikums (z. B. 1,20 m für Autofahrer) und den typischen Betrachtungsabstand (8-15 m) abgestimmt ist. Eine sorgfältige Überprüfung aller Fluchtlinien mit Hilfslinien in Photoshop ist daher kein optionaler Schritt, sondern eine zwingende Notwendigkeit für jede professionelle Produktion.
Wie hilft künstliches Filmkorn, um Banding im Grossdruck zu kaschieren?
Banding, die unschöne treppenartige Abstufung in sanften Farbverläufen, ist einer der Erzfeinde des Grossformatdrucks. Es entsteht, wenn die Anzahl der verfügbaren Farbtöne nicht ausreicht, um einen Übergang fliessend darzustellen – ein typisches Problem bei grossen, einfarbigen Flächen wie einem Himmel oder einem Studiohintergrund. Während dieser Effekt auf einem Monitor kaum sichtbar sein mag, wird er auf einer neun Quadratmeter grossen Plakatwand unübersehbar. Die Ursache ist oft eine Kombination aus 8-Bit-Farbtiefe und der Kompression durch das RIP (Raster Image Processor) der Druckerei.
Hier kommt die gezielte Artefakt-Kaschierung durch künstliches Filmkorn oder Rauschen ins Spiel. Indem man dem Verlauf eine feine, unregelmässige Struktur hinzufügt, bricht man die harten Kanten der Farbabstufungen auf. Das Rauschen fungiert als eine Form des Ditherings: Die Pixel der benachbarten Farbstufen werden durch die Körnung miteinander vermischt, was dem menschlichen Auge einen weicheren Übergang vortäuscht. Es ist ein gezielter Eingriff, um eine technische Limitierung des Druckprozesses zu umgehen.
Die Methode und Intensität des Korns müssen jedoch präzise auf das Druckverfahren und das Papier – in Deutschland typischerweise Affichenpapier – abgestimmt sein. Eine zu feine Körnung geht im Druckraster unter, eine zu grobe wirkt als Fremdkörper. Für kritische Verläufe hat sich die Nutzung von hochwertigen Filmkorn-Overlays oder spezialisierten Filtern bewährt, die eine organischere Struktur als der simple „Rauschen hinzufügen“-Filter in Photoshop erzeugen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Techniken und deren Eignung für den 18/1-Druck.
Diese Tabelle, basierend auf Erfahrungswerten mit deutschem Affichenpapier, dient als Leitfaden für die Wahl der richtigen Technik. Wie eine Analyse gängiger Druckspezifikationen zeigt, variieren die Anforderungen, doch das Prinzip bleibt gleich.
| Technik | Kornstärke | Dateigrösse-Zunahme | Effektivität gegen Banding | Empfehlung für 18/1 |
|---|---|---|---|---|
| Rauschen hinzufügen (Photoshop) | 0,5-2% | +10-20% | Mittel | Gut für digitale RIPs |
| Film Grain Filter | 5-15% | +30-50% | Hoch | Ideal für kritische Verläufe |
| Echte Filmkorn-Scans | Variabel | +50-100% | Sehr hoch | Premium-Qualität |
| Stochastisches Dithering | Minimal | +5% | Niedrig-Mittel | Als Ergänzung |
Zauberstab oder Zeichenstift: Was verlangen Agenturen bei Haaren?
Das Freistellen von Haaren ist die Königsdisziplin der Bildretusche und ein untrüglicher Indikator für die Qualität einer Postproduktion. Während der Zauberstab oder die automatische Motivauswahl für Social-Media-Grafiken ausreichen mag, sind die Anforderungen im High-End-Segment für den Grossdruck fundamental anders. Agenturen und Premium-Marken erwarten eine perfekte, nicht-destruktive Freistellung, die auf jedem Hintergrund funktioniert und selbst feinste Haarsträhnen und Bewegungsunschärfe realistisch bewahrt.
Die geforderte Technik ist eine Kombination aus Härte und Weichheit. Harte Kanten wie der Körper, das Gesicht oder die Kleidung werden mit dem Zeichenstift-Werkzeug als präziser Vektorpfad angelegt. Dieser Pfad garantiert eine absolut saubere und skalierbare Kante. Für die weichen, diffusen Bereiche der Haare kommt eine pixelbasierte Maske zum Einsatz, die meist über eine komplexe Kanaltrennung (Channel Masking) oder die Funktion „Auswählen und maskieren“ erstellt wird. Das Geheimnis liegt darin, eine Maske zu schaffen, die nicht nur die Haare isoliert, sondern auch deren Transluzenz und die feinen Farbsäume korrekt beibehält.

Wie die visuelle Komplexität von Haarstrukturen zeigt, ist eine automatisierte Lösung hier chancenlos. Die finale Datei, die an eine deutsche Agentur übergeben wird, ist typischerweise eine PSD-Datei mit einer klaren, nachvollziehbaren Ebenenstruktur. Eine separate Ebene für den Hintergrund, eine für den Vektorpfad des Körpers und eine Ebenenmaske für die Haare sind Standard. Diese Struktur ermöglicht es dem Art Director, den Hintergrund jederzeit auszutauschen, ohne dass der Freisteller neu angefertigt werden muss. Die finale Abnahme erfolgt fast immer durch eine Prüfung der Maske auf einem rein schwarzen und einem rein weissen Hintergrund, um verbliebene Säume oder Fehler aufzudecken.
Checkliste: Agentur-Standards für Haar-Freisteller in Deutschland
- Ebenenstruktur anlegen: PSD-Datei mit mindestens 3 separaten Ebenen: Hintergrund, Körper-Pfad, Haar-Maske.
- Harte Kanten definieren: Vektorpfade für alle harten Kanten (Körper, Kleidung) mit dem Zeichenstift (Bézier-Kurven) erstellen.
- Weiche Kanten maskieren: Weiche Pixelmaske für Haare mittels Kanaltrennung oder der Funktion „Auswählen und maskieren“ anfertigen.
- Ebenen benennen: Klare, deutsche Ebenenbenennung verwenden (z.B. ‚Haare_Maske‘, ‚Koerper_Pfad‘, ‚BG_Original‘).
- Qualitätskontrolle durchführen: Die erstellte Maske auf einem rein schwarzen und einem rein weissen Hintergrund auf Fehler und Farbsäume prüfen.
Das Risiko, wenn der Schatten im Composing nach links fällt, die Sonne aber rechts steht
Inkonsistente Lichtführung ist ein subtiler, aber verheerender Fehler in der Bildkomposition. Ähnlich wie bei falscher Perspektive erkennt das Gehirn des Betrachters instinktiv, dass etwas nicht stimmt, wenn die Lichtquelle (z. B. die Sonne) von rechts zu kommen scheint, der Schatten eines eingefügten Objekts aber nach links, also ebenfalls zur Lichtquelle hin, fällt. Dieser logische Bruch zerstört die Illusion der Realität und damit die Glaubwürdigkeit des gesamten Bildes. Ein Composing ist nur so stark wie sein schwächstes Glied, und ein falsch platzierter Schatten ist ein offensichtlicher Schwachpunkt.
Im Kontext der Plakatwerbung ist dieses Detail von enormer Bedeutung. Eine Analyse deutscher Plakatwerbung zeigt, dass die Grösse einer Werbefläche massgeblich die Beachtung und Erinnerung einer Botschaft beeinflusst. Diese Wirkung kann jedoch durch technische Mängel wie eine inkonsistente Beleuchtung zunichtegemacht werden. Der Betrachter mag nicht sagen können, *was* falsch ist, aber das unterbewusste Gefühl, dass die Szene „fake“ ist, überträgt sich auf das beworbene Produkt oder die Marke. Ein Auto, das keinen physikalisch korrekten Schatten wirft, wirkt nicht wie ein solides, reales Produkt, sondern wie ein billiger digitaler Fremdkörper.
Die Brisanz dieses Themas geht über rein kommerzielle Aspekte hinaus, insbesondere im fotojournalistischen Kontext. Die Manipulation von Licht und Schatten kann hier als bewusste Verfälschung der Realität interpretiert werden. Für Organisationen, deren Glaubwürdigkeit auf Authentizität beruht, ist dies inakzeptabel.
Bei Kampagnen für Organisationen wie Amnesty International wird die Manipulation von Licht und Schatten nicht nur als technischer Fehler wahrgenommen, sondern kann als Verfälschung der Realität vom Deutschen Presserat kritisiert werden.
– Deutscher Presserat, Richtlinien für fotojournalistische Integrität
Ein Schatten ist niemals nur ein dunkler Fleck auf dem Boden. Er definiert die Form, das Volumen und die Position eines Objekts im Raum. Seine Härte, Farbe und Richtung müssen exakt zur primären und sekundären Lichtquelle (z. B. Umgebungslicht) passen. Ein professionelles Composing erfordert daher eine präzise Lichtanalyse der Szene, bevor auch nur ein einziges Element hinzugefügt wird.
Wie simulieren Sie Zeitungspapier in Photoshop?
Die authentische Simulation von Druckmaterialien wie Zeitungspapier ist eine hohe Kunst, die weit über das Hinzufügen einer einfachen Textur hinausgeht. Eine glaubwürdige Emulation erfordert eine präzise Analyse und Nachbildung von vier Schlüsselelementen: Papierfarbe, Druckraster, Papierstruktur und Farbmanagement. Ziel ist es, ein digitales Bild so vorzubereiten, dass es aussieht, als wäre es tatsächlich auf dem spezifischen Papier einer bestimmten Zeitung gedruckt worden.
Der erste Schritt ist die Analyse der Papierfarbe. Jede Zeitung hat eine charakteristische Tönung. Das Papier der Süddeutschen Zeitung hat beispielsweise einen leichten Gelbstich, während das der BILD-Zeitung fast neutralweiss ist. Diese Grundfarbe wird als unterste Ebene im Composing angelegt. Als Nächstes folgt das Druckraster. Zeitungen werden mit einer relativ groben Rasterweite (gemessen in Lines Per Inch, lpi) gedruckt. Dieses Raster und die Punktform (elliptisch, rund) müssen als Muster in Photoshop erstellt und über das Bild gelegt werden. Entscheidend ist, das Raster um 15° oder 75° zu drehen, um Moiré-Effekte mit dem späteren Druckraster des Plakats zu vermeiden.
Die Papierstruktur selbst wird durch einen sehr dezenten Rauschfilter (ca. 0,8-1,2 %, monochromatisch) simuliert, der die mikroskopische Faserigkeit des Papiers nachahmt. Der wichtigste, aber oft übersehene Schritt ist das Farbmanagement. Um die typische Farbannahme von ungestrichenem Zeitungspapier zu simulieren, muss das Bild in das korrekte ICC-Profil konvertiert werden. Für Werbetechnik ist oft das Profil ‚ISO Coated v2‘ eine gute Ausgangsbasis, aber für eine exakte Simulation sind Profile für ungestrichene Papiere (z.B. ‚ISO Newspaper‘) besser geeignet. Dies begrenzt den maximalen Farbauftrag und sorgt für die charakteristisch entsättigten Farben des Zeitungsdrucks.
Die folgende Tabelle fasst die spezifischen Charakteristika einiger grosser deutscher Zeitungen zusammen, die als Ausgangspunkt für eine präzise Simulation in Photoshop dienen können.
| Zeitung | Papierfarbe (CMYK) | Rasterweite | Punktform | Typische Grammatur |
|---|---|---|---|---|
| Süddeutsche Zeitung | C:3 M:2 Y:5 K:0 | 48 lpi | Elliptisch | 45 g/m² |
| BILD | C:0 M:0 Y:2 K:0 | 36 lpi | Rund | 42 g/m² |
| FAZ | C:2 M:1 Y:4 K:0 | 52 lpi | Elliptisch | 48 g/m² |
| Die Zeit | C:1 M:1 Y:3 K:0 | 54 lpi | Quadratisch | 52 g/m² |
Wie viel Megapixel brauchen Sie wirklich für ein doppelseitiges Magazin-Cover?
Die Frage nach der „richtigen“ Auflösung ist eine der am häufigsten gestellten und am häufigsten falsch beantworteten Fragen im Druckbereich. Die pauschale Forderung nach „300 DPI“ ist ein hartnäckiger Mythos, der den wichtigsten Faktor ignoriert: den Betrachtungsabstand. Für ein Magazin-Cover, das aus 30 cm Entfernung betrachtet wird, sind 300 DPI (Dots Per Inch) eine sinnvolle Faustregel. Für ein 18/1-Plakat, das aus 10 Metern Entfernung wahrgenommen wird, wäre eine solche Auflösung nicht nur technisch unsinnig, sondern würde auch zu absurd grossen Dateien führen.
Die entscheidende Metrik ist die effektive Auflösung – also die Detailwahrnehmung des menschlichen Auges bei einem gegebenen Abstand. Ein Plakat mit 72 DPI, betrachtet aus 10 Metern, kann genauso scharf wirken wie ein Handflyer mit 300 DPI aus 30 cm. Deutsche Druckereien geben daher oft an, dass für Grossformate auch niedrigere Auflösungen zufriedenstellend sind. Die technischen Spezifikationen von Staudigl-Druck fordern beispielsweise für das Datenformat (Bogenteil) eine Auflösung von „min. 240 DPI“, was hochgerechnet auf das Endformat von 7120 x 2520 mm einer weitaus geringeren effektiven Auflösung entspricht.

Moderne Kameras mit 24 bis 60 Megapixeln liefern in der Regel mehr als genug Ausgangsmaterial. Der Schlüssel liegt nicht in der ursprünglichen Pixelzahl, sondern in der Qualität der Skalierung. Spezialisierte Software wie Topaz Gigapixel AI kann Bilder intelligent hochrechnen, indem sie Details rekonstruiert, anstatt nur Pixel zu duplizieren. Wichtig ist dabei, die Nachschärfung präzise auf den finalen Betrachtungsabstand abzustimmen. Eine Überschärfung, die auf dem Monitor gut aussieht, kann im Grossdruck zu unschönen, harten Kanten und „Halos“ führen. Eine subtile, auf den Mikrokontrast abzielende Schärfung ist hier der professionelle Weg. Es geht darum, die Textur und die feinen Details zu betonen, nicht die globalen Kanten.
Warum verkauft sich ein Baryt-Abzug für 500 €, ein Poster aber nur für 20 €?
Die Wertwahrnehmung eines Bildes ist untrennbar mit seiner materiellen Präsentation verbunden. Ein Baryt-Abzug, ein klassisches Fotopapier der Fine-Art-Fotografie, und ein einfaches Poster mögen dasselbe Motiv zeigen, aber sie vermitteln fundamental unterschiedliche Werte. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Haptik, Materialität und wahrgenommener Langlebigkeit. Barytpapier hat ein spürbares Gewicht, eine einzigartige Oberflächenstruktur und eine archivfeste Qualität, die Tiefe und eine fast dreidimensionale Bildwirkung erzeugt. Ein Poster auf 120g/m²-Affichenpapier ist hingegen für die kurzfristige, massenhafte Kommunikation konzipiert – es ist ein Informationsträger, kein Sammlerobjekt.
Diese Logik überträgt sich direkt auf die kommerzielle Werbung. Deutsche Luxusmarken wie Porsche oder A. Lange & Söhne investieren überdurchschnittlich in die Druckqualität ihrer Werbemittel, weil sie wissen, dass die Qualität des Trägermediums direkt auf die Marke abstrahlt. Ein Druck im Grossformat ist ein Blickfang, der im Gedächtnis bleibt, insbesondere wenn er durch aussergewöhnliche Qualität besticht. Dies kann durch die Wahl spezieller Papiere, den Einsatz von Sonderfarben oder einen akribisch abgestimmten Farbworkflow erreicht werden, der über den Standardfarbraum ‚ISO Coated v2‘ hinausgeht.
Die Investition in einen perfekten Druck ist eine Investition in die Markenwahrnehmung. Ein sattes, tiefes Schwarz, das nicht gräulich wirkt, brillante Farben ohne Banding und eine gestochen scharfe Detailwiedergabe signalisieren Qualität und Präzision – genau die Werte, für die diese Marken stehen. Ein billig wirkender Druck mit ausgewaschenen Farben und sichtbaren Artefakten würde diese Botschaft untergraben. Im High-End-Segment ist der Druck also nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein integraler Bestandteil der Markenkommunikation. Der Mehrpreis für einen perfekten Druck ist im Vergleich zum potenziellen Imageschaden durch eine minderwertige Ausführung vernachlässigbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Glaubwürdigkeit vor Ästhetik: Physikalisch korrekte Perspektiven und Schatten sind keine künstlerische Wahl, sondern technische Notwendigkeiten, um das Unterbewusstsein des Betrachters nicht zu irritieren.
- Auflösung ist relativ: Die benötigte DPI-Zahl hängt vom Betrachtungsabstand ab. Für Grossformate ist die Qualität der Skalierung und der Mikrokontrast wichtiger als die maximale Ausgangs-Pixelzahl.
- Präzision im Detail: Professionelle Freisteller (insb. Haare) und Materialsimulationen erfordern manuelle, nicht-destruktive Techniken und eine exakte Kenntnis der Zielmaterialien.
Wie bekommen Sie ein Insekt von den Augen bis zum Hinterleib knackscharf?
Die Erzielung einer durchgehenden Schärfe über ein gesamtes Objekt, insbesondere in der Makro- oder Produktfotografie, ist mit einer Einzelaufnahme physikalisch oft unmöglich. Aufgrund der geringen Schärfentiefe in diesen Bereichen wird entweder nur die Front oder nur der hintere Teil des Objekts scharf abgebildet. Die Lösung für dieses Problem ist das Focus Stacking, eine Technik, bei der mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokusebenen zu einem einzigen, durchgehend scharfen Bild kombiniert werden.
Der Prozess ist methodisch und erfordert höchste Präzision. Es werden typischerweise 10 bis 50 Aufnahmen vom selben Stativ-Standpunkt aus gemacht, wobei der Fokuspunkt schrittweise von vorne nach hinten über das Objekt bewegt wird. Diese Bilderserie wird dann in einer spezialisierten Software oder direkt in Photoshop verrechnet. Das Programm analysiert von jedem Einzelbild die schärfsten Bereiche und fügt diese zu einem neuen Gesamtbild zusammen. Für die Darstellung von Präzisionsprodukten wie Uhren oder Schmuck ist diese Technik unerlässlich. Ein Hersteller wie Nomos Glashütte kann es sich nicht leisten, eine Uhr im Grossformat zu zeigen, bei der nur das Zifferblatt, aber nicht das Armband scharf ist.
Das historische 18/1-Plakat, das aus 18 einzelnen DIN-A1-Postern zusammengesetzt wurde, zeigt, dass die Zusammensetzung von Teilen zu einem Ganzen eine lange Tradition hat. Focus Stacking ist die digitale Entsprechung dieses Prinzips auf Pixelebene. Der finale Schritt nach dem automatischen Verrechnen ist jedoch immer eine manuelle Kontrolle. An den Übergängen zwischen den einzelnen Schärfeebenen können Artefakte oder Unschärfen entstehen, die sorgfältig mit Ebenenmasken retuschiert werden müssen. Die finale Auflösung muss dabei für das Endformat optimiert sein. Eine wichtige Faustregel besagt: Für einen Druck mit der Grösse 500 cm x 500 cm sollte die Auflösung mindestens 50 dpi betragen, um aus typischer Betrachtungsdistanz scharf zu wirken.
Die Erstellung einer perfekten 18/1-Plakatdatei ist somit eine Demonstration technischer Disziplin und eines tiefen Verständnisses für die Wirkung von Bildern. Jeder hier besprochene Punkt ist ein potenzieller Stolperstein, der über Erfolg oder Misserfolg einer Kampagne entscheiden kann. Wenden Sie diese Prinzipien konsequent an, um Ergebnisse zu liefern, die nicht nur den technischen Spezifikationen entsprechen, sondern auch auf psychologischer Ebene überzeugen.