Veröffentlicht am September 15, 2024

Die Anlieferung eines JPEGs an eine Qualitätsredaktion ist nicht nur ein technischer Fauxpas, sondern ein professionelles Misstrauensvotum.

  • Das RAW-Format ist die einzige Garantie für den maximalen Detail- und Farbreichtum, den wir für den High-End-Druck benötigen.
  • Ein JPEG beschneidet unsere Möglichkeiten zur druckspezifischen Veredelung und zur Wahrung eines konsistenten Magazin-Looks.

Empfehlung: Betrachten Sie das RAW-Format nicht als Option, sondern als unumstösslichen Teil Ihres professionellen Workflows. Es ist die Grundlage des Vertrauens zwischen Ihnen und der Bildredaktion.

Immer wieder erreicht uns in der Redaktion die Frage, warum wir so vehement auf der Anlieferung von RAW-Dateien bestehen. Ein perfekt bearbeitetes JPEG, so das Argument, sei doch viel effizienter und zeige bereits die finale Vision des Fotografen. Das ist ein grundlegendes Missverständnis unserer Arbeit. Als Bildredakteure eines Magazins wie GEO kaufen wir nicht einfach ein „schönes Bild“. Wir erwerben das maximale Potenzial einer Aufnahme, um sie für ein ganz spezifisches Medium – den hochwertigen Offsetdruck – zu veredeln. Die Anlieferung eines JPEGs ist daher keine Arbeitserleichterung, sondern eine massive Einschränkung.

Die gängige Erklärung, eine RAW-Datei enthalte „mehr Informationen“, kratzt nur an der Oberfläche. Für uns bedeutet dies konkret: mehr Spielraum in der Tonwertkorrektur, eine präzisere Farbabstimmung und die Möglichkeit, Details aus Lichtern und Schatten zu retten, die in einem 8-Bit-JPEG bereits unwiederbringlich verloren wären. Es geht nicht darum, Fehler zu korrigieren. Es geht darum, die Exzellenz, die in einer Aufnahme steckt, für den Druck auf beschichtetem Papier perfekt zur Geltung zu bringen. Die Entscheidung der Kamera-Software, wie Farben, Kontrast und Schärfe interpretiert werden, ist für uns inakzeptabel. Wir benötigen die volle Kontrolle über das digitale Negativ.

Dieser Artikel ist daher kein technisches Tutorial, sondern ein Einblick in unsere Denkweise und unsere täglichen Anforderungen. Wir werden Ihnen zeigen, warum das RAW-Format die unumstössliche Grundlage für eine professionelle Zusammenarbeit ist. Von der Rettung schwieriger Lichtstimmungen über die pixelgenaue Vorbereitung für eine Doppelseite bis hin zur ethischen Grenze der Bildbearbeitung: Sie werden verstehen, warum Ihr Weg in die Seiten eines Qualitätsmediums ausschliesslich über das RAW-Format führt. Es ist Ihre professionelle Visitenkarte und unsere Qualitätsgarantie.

Um die Tragweite dieser Anforderungen zu verdeutlichen, führt dieser Artikel Sie durch die entscheidenden Phasen und Überlegungen unseres redaktionellen Workflows. Die folgende Gliederung zeigt die Stationen auf, an denen die Überlegenheit des RAW-Formats nicht nur technisch, sondern auch konzeptionell und ethisch zutage tritt.

Wie retten sie die stimmung eines bildes, das bei neonlicht aufgenommen wurde?

Eine der anspruchsvollsten Situationen für jeden Fotografen ist Mischlicht. Stellen Sie sich eine nächtliche Marktszene in Asien vor: warmes Glühlampenlicht trifft auf das kalte, grünliche Licht von Leuchtstoffröhren und die bläuliche Dämmerung des Himmels. Ein JPEG-Bild, bei dem der Weissabgleich von der Kameraautomatik auf einen Mittelwert „gebacken“ wird, ist in solchen Fällen oft unrettbar. Die feinen Nuancen gehen verloren, und eine globale Korrektur führt unweigerlich zu unnatürlichen Farbstichen in anderen Bildbereichen. Für uns in der Redaktion ist ein solches Bild praktisch unbrauchbar, da die authentische Lichtstimmung, das zentrale Element der Bildaussage, zerstört ist.

Hier liegt die fundamentale Stärke des RAW-Formats. Da die Farbinformationen des Sensors roh und uninterpretiert gespeichert werden, haben wir die Möglichkeit, den Weissabgleich non-destruktiv und selektiv anzupassen. Wir können lokale Korrekturen vornehmen, um die unterschiedlichen Farbtemperaturen auszugleichen, ohne die Gesamtstimmung zu beeinträchtigen. Die Flexibilität, Farben in der Nachbearbeitung präzise abzustimmen, ist bei schwierigen Lichtverhältnissen nicht nur ein Vorteil, sondern eine absolute Notwendigkeit. Es ermöglicht uns, die visuelle Integrität der Szene zu bewahren und die Stimmung, die Sie als Fotograf eingefangen haben, originalgetreu zu reproduzieren.

Darüber hinaus gibt uns die RAW-Datei die volle Kontrolle über Parameter wie Schärfe und Rauschunterdrückung. Die kamerainterne Verarbeitung eines JPEGs wendet oft eine pauschale Schärfung oder Rauschreduzierung an, die für den Druck nicht optimal ist. Mit der RAW-Datei können wir diese Einstellungen präzise auf das Motiv und die spätere Ausgabegrösse abstimmen, um maximale Details zu erhalten, ohne unschöne Artefakte zu erzeugen. Es ist dieser Grad an Kontrolle, der den Unterschied zwischen einem guten und einem druckreifen Bild ausmacht.

Wie viel zeichnung holen sie aus einem unterbelichteten himmel wirklich zurück?

Ein klassisches Szenario: eine wunderschöne Landschaft im Vordergrund, aber der Himmel ist eine fast weisse, überbelichtete Fläche. Oder umgekehrt: Der Himmel ist perfekt belichtet, aber der Vordergrund versinkt in tiefen Schatten. Die Fähigkeit, in solchen Hochkontrastsituationen noch Zeichnung aus Lichtern und Schatten herauszuarbeiten, ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und das JPEG vom RAW.

Der technische Grund dafür liegt in der Farbtiefe. Ein JPEG ist auf 8 Bit pro Farbkanal beschränkt, was 256 Helligkeitsabstufungen pro Farbe entspricht. Wenn ein Pixel im Himmel als reines Weiss (Wert 255) gespeichert wird, ist diese Information endgültig. Es gibt keine weiteren Daten, aus denen man noch eine Wolkenstruktur oder einen Farbverlauf rekonstruieren könnte. Der Versuch, die Lichter in einem JPEG abzusenken, führt unweigerlich zu unschönen, grauen Flächen und sichtbaren Tonwertabrissen (Banding). Das Bild ist für den Druck „kaputt“.

Vergleich von Himmeldetails zwischen RAW und JPEG Aufnahmen mit sichtbaren Tonwertabrissen

Eine RAW-Datei hingegen arbeitet mit einer weitaus höheren Farbtiefe. Der technische Unterschied in der Farbtiefe zeigt sich hier deutlich: Während JPEGs auf 8 Bit pro Farbe beschränkt sind, speichern RAW-Dateien mit 12, 14 oder sogar 16 Bit. Eine 14-Bit-Datei bietet beispielsweise nicht 256, sondern 16.384 Helligkeitsstufen pro Kanal. Wo ein JPEG nur noch „weiss“ anzeigt, enthält das RAW-Format noch immer feinste Differenzierungen in den Lichtern. Wie die Illustration oben verdeutlicht, ermöglicht uns dieser immense Datenreichtum, die Belichtung um mehrere Blendenstufen zu korrigieren und selbst aus einem scheinbar ausgebrannten Himmel noch erstaunlich viel Zeichnung und Farbe zurückzuholen. Dasselbe gilt für unterbelichtete Bereiche: Statt nur verrauschtes Schwarz zu erhalten, können wir Details aus den Schatten heben, ohne die Bildqualität massiv zu beeinträchtigen. Dieser erweiterte Dynamikumfang ist keine technische Spielerei, sondern unsere Versicherung für Bilder mit Tiefe und Brillanz.

Eingangsschärfe vs. ausgabeschärfe: wann schärfen sie im prozess?

Schärfe ist nicht gleich Schärfe. Ein häufiger Fehler von Fotografen ist es, ihre Bilder für die Ansicht am Bildschirm zu schärfen und uns dann ein „fertiges“ JPEG zu senden. Doch die Schärfung für ein leuchtendes Display hat nichts mit den Anforderungen des Offsetdrucks zu tun. Eine für den Monitor optimierte Schärfe wirkt im Druck oft übertrieben und führt zu unschönen, harten Kanten und Halos. Wir in der Redaktion unterscheiden daher strikt zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Prozessschritten: der Eingangsschärfung und der Ausgabeschärfung.

Die Eingangsschärfung (Capture Sharpening) ist der erste und einzige Schritt, der im RAW-Konverter stattfindet. Eine RAW-Datei ist per Definition unscharf, da keinerlei kamerainterne Bearbeitung angewendet wurde. Ziel der Eingangsschärfung ist es, die leichte Unschärfe zu kompensieren, die durch den Sensor und das Objektiv entsteht, und ein „normal“ scharf wirkendes Bild zu erzeugen. Hier werden grundlegende Details herausgearbeitet, ohne das Bild für ein bestimmtes Medium zu optimieren. Zusätzlich nutzen wir im RAW-Konverter die Möglichkeit, objektivspezifische Korrekturen wie die Korrektur von Verzeichnung, Vignettierung oder chromatischen Aberrationen anzuwenden. Lightroom und andere Programme greifen hierfür auf eine riesige Datenbank zurück. All diese Schritte stellen sicher, dass wir von einer technisch sauberen und neutralen Basis ausgehen.

Ihr Fahrplan zur perfekten Schärfe: Der Redaktions-Workflow

  1. Grundschärfung im RAW-Konverter: In der Details-Sektion von Lightroom wird das Foto moderat nachgeschärft, da RAW-Fotos völlig unbehandelt sind. Ein Schärfewert um 45 bei Standardradius ist ein bewährter Ausgangspunkt für die Eingangsschärfung.
  2. Objektivkorrekturen anwenden: Nutzen Sie die automatischen Profilkorrekturen im RAW-Konverter. Lightroom erkennt das verwendete Objektiv und korrigiert dessen spezifische Abbildungsfehler basierend auf einer umfangreichen Datenbank.
  3. Rauschreduzierung prüfen: Eine moderate Luminanz- und Farbrauschreduzierung auf Basis der RAW-Daten vornehmen, um die Bildqualität zu optimieren, bevor weitere Bearbeitungsschritte erfolgen.
  4. Ausgabeschärfung delegieren: Die finale Schärfung für den Druck überlassen Sie zwingend dem Druckdienstleister oder der Redaktion. Diese wird exakt auf die Druckmaschine, das Raster und die spezifische Papiersorte (gestrichen, ungestrichen) abgestimmt.
  5. Finale Prüfung als Softproof: Simulieren Sie am kalibrierten Monitor mit dem korrekten Farbprofil der Druckerei das Druckergebnis (Softproof), um die Wirkung der Schärfe und Farben vorab zu beurteilen.

Die Ausgabeschärfung (Output Sharpening) hingegen ist der allerletzte Schritt vor dem Druck und liegt ausschliesslich in unserer Verantwortung. Sie hängt von zahlreichen Faktoren ab: der Grösse des Bildes auf der Seite, der Papiersorte, der Druckrasterweite und der Druckmaschine. Ein Bild für gestrichenes Hochglanzpapier benötigt eine andere Schärfung als für mattes Naturpapier. Diese finale Veredelung überlassen wir den Spezialisten in der Druckvorstufe. Ein Fotograf, der uns ein vor-geschärftes JPEG liefert, nimmt uns diese entscheidende Kontrollmöglichkeit und riskiert ein suboptimales Druckergebnis.

Das risiko, dass ihr bild nach „bonbon-farben“ aussieht und abgelehnt wird

Ein Bild kann technisch perfekt sein – scharf, gut belichtet, rauschfrei – und dennoch von uns abgelehnt werden. Der Grund ist oft eine übertriebene, unpassende Bearbeitung. Übersättigte „Bonbon-Farben“, dramatisch verdunkelte Himmel oder überzogene HDR-Effekte mögen auf Instagram funktionieren, in einem Qualitätsmagazin wie GEO wirken sie jedoch schnell deplatziert und unseriös. Jedes Magazin hat eine eigene visuelle Identität, einen spezifischen Look & Feel. Unsere Aufgabe als Bildredaktion ist es, diese visuelle Handschrift über die gesamte Ausgabe hinweg konsistent zu wahren.

Wenn ein Fotograf uns ein fertig bearbeitetes JPEG liefert, das nicht zu dieser Ästhetik passt, haben wir ein Problem. Die Bearbeitung ist in das Bild „eingebrannt“. Eine Reduzierung der Sättigung oder des Kontrasts ist nur mit erheblichem Qualitätsverlust möglich und führt selten zu einem überzeugenden Ergebnis. Die RAW-Datei gibt uns hingegen den nötigen Interpretationsspielraum. Wir können die Farben und Kontraste so entwickeln, dass sie sich nahtlos in den Kontext der Reportage und des gesamten Heftes einfügen, ohne die ursprüngliche Bildaussage zu verfälschen. Es geht um eine Veredelung, die den Stil des Fotografen respektiert, ihn aber an die Anforderungen unseres Mediums anpasst.

Farbkalibrierung und Qualitätskontrolle in einer deutschen Magazin-Redaktion

Diese Sorgfaltspflicht ist nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine journalistische. Eine überzogene Bearbeitung kann die Authentizität eines Bildes infrage stellen. Die wahrheitsgetreue Wiedergabe von Fakten hat oberste Priorität. Wie eine Analyse der Presserats-Entscheidungen zeigt, werden Verstösse gegen die journalistische Sorgfalt konsequent geahndet. Laut dem Jahresbericht 2024 wurden mehr als ein Drittel der Rügen wegen schwerer Verstösse gegen diese Sorgfaltspflicht ausgesprochen. Auch wenn es sich hier oft um sachliche Fehler im Text handelt, gilt der Grundsatz der Wahrhaftigkeit ebenso für die Bildsprache. Eine Bearbeitung, die die Realität unzulässig dramatisiert oder verfremdet, kratzt an der Glaubwürdigkeit des gesamten Mediums.

Warum smart objects in photoshop ihre lebensversicherung sind

Selbst mit einer RAW-Datei als Ausgangspunkt kann bei der Bearbeitung viel schiefgehen. Der grösste Fehler ist ein „destruktiver“ Workflow. Das bedeutet, dass jede Änderung – sei es eine Tonwertkorrektur, eine Skalierung oder die Anwendung eines Filters – direkt und unwiderruflich auf die Pixel des Bildes angewendet wird. Einmal gespeichert, ist der ursprüngliche Zustand verloren. Besonders fatal ist dies bei JPEG-Dateien. Die technischen Limitierungen von JPEG zeigen sich besonders bei mehrfacher Kompression und Speicherung, da bei jedem Speichervorgang Daten unwiederbringlich entfernt werden, was zu einem kumulativen, sichtbaren Qualitätsverlust führt.

Die professionelle Lösung lautet: non-destruktive Bildbearbeitung. Das Kernprinzip moderner Programme wie Photoshop oder Lightroom ist, das Originalbild unangetastet zu lassen. Jede Anpassung, sei es Helligkeit, Kontrast oder Farbe, wird als separate Anweisung in einer Einstellungsebene gespeichert. Diese Ebenen liegen über dem Originalbild und können jederzeit verändert, in ihrer Intensität angepasst oder komplett deaktiviert werden, ohne die ursprünglichen Bilddaten zu beeinträchtigen. Dies gibt uns eine beispiellose Flexibilität im Redaktionsprozess. Ändert sich das Layout oder das Papier, können wir die Bearbeitung mit wenigen Klicks anpassen, anstatt von vorne beginnen zu müssen.

In Photoshop ist das entscheidende Werkzeug hierfür das Smart Object. Wenn Sie eine RAW-Datei in Photoshop öffnen, konvertieren Sie sie in ein Smart Object. Diese „intelligente“ Ebene kapselt die ursprünglichen RAW-Daten. Das bedeutet, Sie können jederzeit mit einem Doppelklick zum RAW-Konverter zurückkehren und grundlegende Parameter wie Belichtung oder Weissabgleich neu justieren – selbst nachdem Sie bereits komplexe Retuschen oder Filter in Photoshop angewendet haben. Ein Smart Object ist Ihre Lebensversicherung gegen irreversible Fehler und gibt uns als Redaktion die Sicherheit, dass wir immer auf die bestmögliche Datenbasis zurückgreifen können. Es ist der Inbegriff eines professionellen, flexiblen und qualitätssichernden Workflows.

Wie viel megapixel brauchen sie wirklich für ein doppelseitiges magazin-cover?

Die Megapixel-Debatte wird oft von Marketing-Schlagworten dominiert, aber im professionellen Druck gibt es eine klare, mathematische Grundlage. Die alles entscheidende Kennzahl ist die Druckauflösung, gemessen in dots per inch (dpi). Für den hochwertigen Offsetdruck, wie wir ihn bei GEO verwenden, ist ein Standard von 300 dpi für Bilder unumgänglich. Alles darunter führt zu sichtbaren Qualitätsverlusten, Unschärfe und einem „matschigen“ Bildeindruck. Aus dieser Zahl lässt sich der tatsächliche Megapixel-Bedarf für jedes Format exakt berechnen.

Für eine vollflächige, randabfallende Doppelseite in einem Magazin im typischen Format von ca. 42 x 28 cm benötigen Sie bei 300 dpi eine Auflösung von rund 4960 x 3300 Pixeln. Das entspricht etwa 16,4 Megapixeln reiner Bildinformation. Da wir für den Beschnitt und zur Sicherheit immer eine gewisse Reserve benötigen, ist eine Kamera mit einer nativen Auflösung von 20 bis 24 Megapixeln eine sichere und professionelle Basis für solche Aufträge. Kameras mit 45 oder mehr Megapixeln bieten zwar noch mehr Spielraum für extreme Ausschnitte, sind aber für eine Standard-Doppelseite nicht zwingend erforderlich. Wichtiger als die reine Pixelzahl ist die Qualität dieser Pixel, die von der Sensorgrösse und -technologie abhängt.

Die folgende Tabelle, basierend auf Standard-Druckanforderungen, gibt Ihnen einen praxisnahen Überblick. Wie eine Analyse der Anforderungen für den Druck zeigt, ist die Dateigrösse einer RAW-Datei dabei ein guter Indikator.

Megapixel-Anforderungen für verschiedene Druckformate
Format Grösse (cm) Benötigte Megapixel (300dpi) RAW-Dateigrösse
Einzelseite GEO 21 x 28 ~8 MP ~8-10 MB
Doppelseite 42 x 28 ~16 MP ~16-20 MB
Doppelseite mit Reserve 42 x 28 20-24 MP Bei einer 24 Megapixel Kamera ist die RAW-Datei circa 24MB gross (Pi mal Daumen 1MB pro Megapixel Auflösung)

Es ist jedoch entscheidend zu verstehen, dass die RAW-Bearbeitung ihre Grenzen hat. Technische Fehler bei der Aufnahme können nicht einfach „repariert“ werden. Der Foto Erhardt Blog fasst dies treffend zusammen:

Obwohl du bei der Entwicklung von RAWs noch einiges verändern kannst, die ISO, die Blende und die Verschlusszeit musst du beim Fotografieren wählen. Objekte, die aufgrund einer offenen Blende in der Unschärfe verschwinden, kannst du definitiv nicht nachträglich scharf bekommen.

– Foto Erhardt Blog, Alles über RAW (2022 Update)

Die technischen Spezifikationen sind die Basis für den Qualitätsdruck. Ein Verständnis der Zusammenhänge zwischen Auflösung und Druckformat ist für jeden professionellen Fotografen unerlässlich.

Wie lässt ein bläuliches color grading ihre reportage „kälter“ und distanzierter wirken?

Bildbearbeitung auf höchstem Niveau geht weit über technische Korrekturen hinaus. Sie ist ein narratives Werkzeug. Das Color Grading, also die gezielte farbliche Gestaltung eines Bildes oder einer ganzen Serie, ist entscheidend für die emotionale Wirkung und die Tonalität einer Reportage. Eine subtile Verschiebung der Farbbalance kann die gesamte Wahrnehmung einer Geschichte verändern. Ein kühles, bläuliches Grading kann eine Szene distanzierter, melancholischer oder sachlicher erscheinen lassen – perfekt für eine Reportage über arktische Forschung oder eine Analyse sozialer Isolation. Ein warmes, goldstichiges Grading hingegen erzeugt Nähe, Nostalgie und eine positive Grundstimmung.

Diese Form der visuellen Erzählung erfordert absolute Kontrolle und Konsistenz. Für eine Fotostrecke, für die Magazine wie GEO bekannt sind, ist es essenziell, einen kohärenten Look über Dutzende von Seiten zu etablieren. Dies ist nur mit einem RAW-Workflow realisierbar. Er ermöglicht es uns, einen einheitlichen Look zu entwickeln und diesen präzise auf jedes einzelne Bild der Serie anzuwenden. Ohne Qualitätsverlust können wir Belichtung, Weissabgleich und Farben so optimieren, dass jedes Bild für sich steht und sich gleichzeitig nahtlos in das grosse Ganze einfügt. Mit einem Sammelsurium aus unterschiedlich bearbeiteten JPEGs wäre eine solche visuelle Klammer undenkbar.

Die Bearbeitung wird so zu einem Teil der redaktionellen Aussage. Wir entscheiden bewusst, wie eine Geschichte visuell transportiert wird. Soll sie rau und dokumentarisch wirken, mit hohem Kontrast und entsättigten Farben? Oder soll sie malerisch und opulent sein, mit satten Farben und weichen Übergängen? Diese Entscheidungen treffen wir in enger Absprache mit dem Fotografen, aber die technische Umsetzung liegt bei uns. Die RAW-Datei ist unsere Leinwand, die es uns erlaubt, die visuelle Sprache zu formen, die die Geschichte am besten unterstützt und den Leser emotional fesselt.

Farbe ist Emotion und Information. Die bewusste Steuerung der Farbwirkung als narratives Element ist ein Kennzeichen höchster Professionalität in der Reportagefotografie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualitätsgarantie: Das RAW-Format ist keine Option, sondern die unumstössliche Grundlage für den High-End-Druck, da es maximale Daten für Farbe, Detail und Dynamikumfang bewahrt.
  • Prozesskontrolle: Eine Redaktion kauft nicht das fertige Bild, sondern das Potenzial. Die RAW-Datei ermöglicht eine druckspezifische Veredelung und die Wahrung einer konsistenten Magazin-Ästhetik.
  • Journalistische Integrität: Die RAW-Datei dient als digitales Negativ und somit als Beleg für die Authentizität einer Aufnahme. Sie ist die Basis, um die ethischen Grenzen zwischen Korrektur und Manipulation klar zu definieren und einzuhalten.

Wo endet die korrektur und wo beginnt die fälschung im journalismus?

Dies ist die wichtigste Frage von allen und der Punkt, an dem die Diskussion über Dateiformate eine ethische Dimension erhält. Im Fotojournalismus ist die Glaubwürdigkeit unser höchstes Gut. Jede Veränderung an einem Bild, die über die Optimierung von Helligkeit, Kontrast und Farbe hinausgeht und den dokumentarischen Charakter einer Aufnahme verändert, ist ein Tabu. Das Hinzufügen oder Entfernen von Bildelementen ist eine Fälschung und ein absoluter Kündigungsgrund für jeden Fotografen, der für uns arbeitet.

Die RAW-Datei spielt hier eine entscheidende Rolle als juristische und ethische Absicherung. Im Streitfall, wenn der Vorwurf einer unzulässigen Manipulation im Raum steht, dient die unveränderte RAW-Datei als Beweis – als digitales Negativ. Sie zeigt den ursprünglichen Zustand der Aufnahme und macht den Bearbeitungsprozess transparent und nachvollziehbar. Der Deutsche Presserat hat seine Richtlinien in diesem Bereich in den letzten Jahren, insbesondere im Hinblick auf KI-generierte Bilder, verschärft. In seinen Entscheidungen macht er unmissverständlich klar, dass manipulierte Bilder, die nicht als solche gekennzeichnet sind, einen schweren Verstoss gegen den Pressekodex darstellen.

Die aktuellen Richtlinien des Deutschen Presserats zeigen, wie ernst das Thema genommen wird. So wurde bereits eine Zeitschrift für eine nicht gekennzeichnete, mittels Software generierte Fotostrecke öffentlich gerügt. Dieses Prinzip der Kennzeichnungspflicht wird konsequent angewendet. Der Deutsche Presserat betont in diesem Zusammenhang:

Die Richtlinie 2.2, nach der Symbolbilder als solche gekennzeichnet werden müssen, hat der Deutsche Presserat bereits bei der Beurteilung von Beschwerden über KI-generierte Bilder angewendet.

– Deutscher Presserat, Pressekodex-Aktualisierung 2024

Für uns als Redaktion bedeutet das: Wir müssen in der Lage sein, die Authentizität jedes veröffentlichten Bildes zu belegen. Die Archivierung der originalen RAW-Dateien ist daher Teil unseres Qualitätssicherungs- und Compliance-Prozesses. Ein Fotograf, der nur JPEGs liefert, verweigert uns diese grundlegende Sicherheit und stellt potenziell die Integrität seiner und unserer Arbeit infrage. Die Entscheidung für das RAW-Format ist also letztlich eine Entscheidung für journalistische Sorgfalt und Wahrhaftigkeit.

Die ethische Verantwortung ist der Eckpfeiler des Fotojournalismus. Um Ihre Arbeit zu schützen, ist es entscheidend, die Grenzen zwischen zulässiger Korrektur und unzulässiger Fälschung genau zu kennen und zu respektieren.

Ihre Professionalität bemisst sich nicht nur an der Qualität Ihrer Bilder, sondern auch an der Qualität Ihres Workflows. Die konsequente Nutzung des RAW-Formats ist der erste und wichtigste Schritt, um den Anforderungen von Qualitätsmedien gerecht zu werden und eine vertrauensvolle, langfristige Partnerschaft mit einer Bildredaktion aufzubauen.

Geschrieben von Moritz Ehlers, Crossmedialer Journalist und Post-Production-Artist, spezialisiert auf Multimedia-Storytelling, Videojournalismus und den Einsatz von KI in der Bildbearbeitung. Fokus auf digitale Workflows und Social-Media-Strategien.